FAQ - Häufig gestellte Fragen E-Mail

Nachstehend finden Sie ein Reihe häufig gestellter Fragen

 

Frage: Woran erkenne ich, dass mein Pferd Zahnprobleme hat?

Antwort: Es gibt so viele mögliche Anzeichen für Zahnprobleme, dass ich dem Thema eine eigene Seite gewidmet habe. Sie befindet sich unter dem Menü-Punkt "Informationen" - "Alles über Pferdezähne" und dort "Probleme erkennen" 

 

Frage: Haben Pferde eigentlich auch Milchzähne?

Antwort: Fohlen und Jungpferde haben genau wie Kinder, Welpen, Kätzchen und viele andere Tiere zunächst einmal Milchzähne. Diese werden von bleibenden Zähnen ersetzt, wenn das Pferd zwischen 2,5 und etwa 5 Jahren alt ist. Da der Zahnwechsel leider nicht immer reibungslos vonstatten geht, sollte in dieser Zeit halbjährlich ein Pferdezahnspezialist die Zähne kontrollieren. 

 

Frage: Können Pferde Karies bekommen?

Antwort: Karies ("Löcher in den Zähnen") kommt bei Pferden eher selten vor, aber auch das gibt es. Am häufigsten bei alten Pferden, deren Reservekrone schon abgenutzt ist und die deshalb "auf den Wurzeln kauen". Die Zahnwurzeln sind weicher als die Zahnkronen und deshalb anfälliger für Karies.

 

Frage: Ab wann und wie oft sollte ich die Zähne meines Pferdes kontrollieren lassen?

Antwort: Je früher ein Lebewesen etwas lernt, desto leichter lernt es das. Ein Fohlen, das auf der Raspel herumkauen darf, emfindet sie als harmloses "Spielzeug". Spätestens aber ab dem Alter von 18 Monaten sollten die Pferdezähne regelmäßig kontrolliert werden. Die Häufigkeit hängt von verschiedenen Faktoren ab: seinem Alter und ganz allgemein seinen Zähnen (jedes Pferd ist anders, also ist auch jedes Gebiss anders).
Erst im Alter von 6 Jahren hat ein Pferd den Zahnwechsel (von den Milchzähnen zu den bleibenden Zähnen) vollständig abgeschlossen, und die bleibenden Zähne sind in Kontakt (berühren ihr jeweiliges Gegenüber). Bis dahin sollten die Zähne halbjährlich kontrolliert werden, da Probleme beim Zahnwechsel zu lebenslangen Zahnproblemen führen können. Danach reicht bei den meisten Pferden eine jährliche Kontrolle, bis sie etwa 18 oder 20 Jahre alt sind. Dann sollte wieder halbjährlich kontrolliert werden, da sich die Ersatzkronen der Zähne nun fast vollständig abgenutzt und aus dem Kiefer herausgeschoben haben: Das Pferd beginnt, nur noch mit den Wurzeln der Zähne zu kauen. Diese sind insgesamt weicher und sitzen natürlich nicht mehr so fest im Kiefer, so dass schneller Probleme auftreten können.

 

Frage: Ich beobachte mein Pferd seit Jahren bei der Behandlung, und es wird jedesmal ruhiger und gelassener und wirkt, als würde es schon von sich aus das Maul öffnen wollen. Wie kommt das?

Antwort: Jedes Pferd wird feststellen, wie angenehm ein wieder hergestelltes Gleichgewicht im Maul ist. Und was für eine Erleichterung muss es sein, wenn endlich die scharfen Kanten und Ecken weg sind, an denen es sich permanent Wangen und Zunge zerschnitten hat, sobald es die Kiefer bewegt, oder die verhindert haben, dass es die Kiefer so bewegen kann, wie es möchte (und da Pferde bis zu 16 Stunden am Tag fressen, bewegen sie ebenso lange die Kiefer!).
Das merken sich die Pferde. Und je früher im Pferdealter mit den Zahnbehandlungen begonnen wurde, desto selbstverständlicher wird die Prozedur. So wie der Koliker (Leander, +1997) der sein Leben lang teilweise vierzehntägig unter Krampfkoliken litt. Er erkannte auch wildfremde Tierärzte schon von weitem und stellte sich hin, als wollte er sagen: "Gib mir endlich die krampflösende Spritze". Genauso wissen auch die meisten Pferde nach diversen Zahnbehandlungen, dass da jemand dafür sorgt, dass das Leben deutlich angenehmer wird. Schließlich tun wir ihnen einen großen Gefallen!

 

Frage: Braucht mein Pferd einen Trensenschliff (Bit seat)?

Antwort: Normalerweise nicht! Ein Trensenschliff bedeutet, die ersten Backenzähne (sowohl oben, als auch unten auf beiden Seiten) zum jeweils nächsten Backenzahn hin abzurunden (durch Raspeln). Der Hintergedanke dabei ist, mehr Platz für das Trensengebiss zu schaffen. Aber normalerweise ist das völlig überflüssig! Zum Einen müsste man sehr viel vom Zahn wegnehmen, damit das Trensengebiss in die neu entstandene "Lücke" passt. Zum anderen sollte das Gebiss nicht "vor den Zähnen liegen" sondern "auf der Lade". Wenn nun die Zähne des Pferdes durch Korrektur "in Form gebracht" wurden, sollte man zuerst einmal verschiedene Gebiss ausprobieren (fragen Sie doch mal im Stall, ob Sie welche geliehen bekommen, bevor Sie jedesmal nach einigen Wochen des Ausprobierens ein Neues kaufen), bevor man die Zähne in eine nicht mehr natürliche Form bringen lässt.

 

Frage: Können Sie jedes Pferd ohne Sedierung behandeln?

Antwort: Nein! Schmerzhafte Behandlungen (wie z. B. das Ziehen von Wolfszähnen) wären natürlich Tierquälerei, wenn sie ohne Betäubung stattfänden! Außerdem kooperiert nicht jedes Pferd bei der Zahnbehandlung. Ich treffe immer wieder auf "Patienten", die die Prozedur nicht so einfach akzeptieren, und deren Verhalten das Pferd selbst, aber auch die Umstehenden oder mich so gefährdet, dass ich die Behandlung abbrechen muss. Dann muss entweder ein Tierarzt hinzugerufen werden, der das Pferd sediert, denn ich darf keine Medikamente verabreichen, oder eine Akupunteurin wird beauftragt, das Pferd durch geschickt gesetzte Nadeln in einen Zustand zu versetzen, der einer Sedierung gleichkommt.
Aber ob 2Jähriger, der frisch von der Weide kommt, 16Jähriger, der dreimal im Leben mit Sedierung die Zähne gemacht bekam, oder 23jährige Stute, die noch nie "beim Zahnarzt war": 90 - 95 % der Pferde kooperieren; manchmal zum großen Erstaunen ihrer Besitzer.

 

Frage: Mein Pferd zeigt überhaupt keine Anzeichen für Zahnprobleme beim Fressen. Es frisst doch (ganz normal). Warum sollte ich einen Zahnspezialisten rufen?

Antwort: Pferde lassen sich von ihren Zähnen nicht vom Fressen abhalten! Egal, wie schlimm es um seine Zähne steht: Fressen ist Lebensinhalt für ein Pferd, und deshalb wird es immer irgendwie weiterhin fressen. Wenn der Besitzer "endlich" sieht, dass das Pferd Probleme mit den Zähnen haben könnte, ist der Zustand des Gebisses oft schon katastrophal. Und wenn selbst kleine Probleme im Maul nicht behoben werden, können sie mit der Zeit zu irreparablen Schäden führen.

 

Frage:  Woran erkenne ich, dass mein Pferd Zahnprobleme hat?

Antwort: Es gibt viele Anzeichen, die auf Zahnprobleme hindeuten KÖNNEN, auch wenn manche Pferde gar keine Anzeichen zeigen:
Kopfschlagen, Steigen, Heuröllchen, Futter Tunken, erst Raufutter Fressen, dann Kraftfutter, Abmagern, einseitiger Nasenausfluss, Beulen am Kopf, gegen das Gebiss Gehen, Festmachen auf einer Seite, Knirschen mit den Zähnen und Zähne Wetzen, Mundgeruch, Konditionsverlust und vieles andere mehr.

 

Frage: Wie kommt es zu den scharfen Ecken und Spitzen oder auch Haken bzw. Rampen etc. im Pferdemaul?

Antwort: Das liegt an mehreren Faktoren. Pferdezähne nutzen sich im Laufe der Zeit ab und schieben etwa im gleichen Maß aus dem Kiefer heraus (etwa 2 - 3 mm pro Jahr, sie wachsen nicht nach!). Hat das Pferd eine Lieblingsseite, auf der es häufiger kaut, nutzen sich hier die Zähne stärker ab als auf der weniger genutzten Seite.
Dieses Prinzip des Nachschiebens und Abnutzens stammt noch aus Zeiten, als die Pferde sich (in freier Wildbahn) vom kargen Steppengras, von Rinden und Hölzern etc. ernährt haben, die viel intensiver gekaut werden mussten. Das weiche, hoch konzentrierte Futter, das wir unseren Pferden heutzutage bieten, wird viel schneller gekaut. Da der Oberkiefer deutlich breiter ist als der Unterkiefer, entstehen an der Wangenseite der oberen Backenzähne und an der Zungenseite der unteren Backenzähne Spitzen und Ecken, wenn das Pferd nicht ausgiebig kauen muss.
Außerdem werden viele Pferde zum Fressen in unnatürliche Kopfhaltungen gezwungen. Futtertröge hängen viel zu hoch, in manchen Ställen hängen sogar noch Heuraufen oben an der Wand. Wenn ein Pferd den Kopf senkt, um Futter aufzunehmen, schiebt sich der Unterkiefer ein Stück weit nach vorne. Hebt es den Kopf, um kauend in der Gegend herum zu schauen, "rutscht" der Unterkiefer nach hinten. So wird die Kaufläche aller Zähne auf ganzer Länge genutzt (sofern keine Fehlstellungen vorliegen). Muss das Pferd nun ständig mit hohem Kopf fressen, stehen die Backenzähne nicht mehr optimal übereinander und nutzen sich ungleich ab, indem der erste obere Backenzahn weiter vorne als der erste untere Backenzahn steht. Und der letzte untere Backenzahn steht weiter hinten als der letzter obere Backenzahn. Dadurch können der erste obere und der letzte untere Backenzahn immer länger werden: Es entstehen Rampen und Haken.

 

Frage: Was ist denn so schlimm am Zahnstein?

Antwort: Zahnfleisch-Entzündungen tun richtig weh! Wer sie schon einmal hatte, wird das bestätigen können. Und unter Schmerzen fressen alle Pferde schlechter oder gar nicht mehr. "Wuchernder" Zahnstein schiebt das Zahnfleisch zurück, wodurch eine Lücke zwischen Zahn und Zahnfleisch entstehen kann. In diese Lücke können Bakterien eindringen, die zur Zahnfleischentzündung führen können. Außerdem können sich hier Futterreste festsetzen, die, wenn sie gären, das Zahnfleisch ebenfalls stark reizen. Das Zahnfleisch zeigt sich dann genau wie beim Menschen: geschwollen und rot.
Wird diese Lücke immer größer, entstehen tiefe Ausbuchtungen, und die Zahntasche im Kiefer (in der der Zahn tatsächlich mittels Gewebefäden "fest aufgehängt" ist) reduziert sich (der Kieferknochen wird hier weniger). Dadurch kann sich der Zahn lockern, was zu weiteren Problemen beim Fressen führt.


Frage: Warum benutzen Sie, Frau Biermann, keine elektrischen Geräte zur Zahnkorrektur?

Antwort: Ich lehne die Benutzung von elektrischen Raspeln ("Boschmonster", Flex etc.) im Pferdemaul aus mehreren Gründen ab!
1. Ich erwarte von keinem Pferd, dass es kooperiert, wenn sich ihm eine teils doch recht große, laute Maschine nicht nur nähert, sonder auch noch in sein Maul hinein soll. Das geht allein schon wegen des Stressfaktors nur dann, wenn das Pferd sediert ist (Ausnahmen bestätigen natürlich auch hier die Regel).
2. Die Verletzungsgefahr ist sehr viel höher, wenn man mit einer Maschine im Pferdemaul "abrutscht", als wenn es sich um eine Handraspel handelt.
3. Solche Maschinen entwickeln immer recht hohe Temperaturen, die nicht nur allgemein zu Verbrennungen im Pferdemaul führen können, sondern sie schaden auch den Zähnen an sich, denn diese sind ja nicht für hohe Temperaturen ausgelegt. Ganz zu schweigen davon, wie das Zahnfleisch auf die hohen Temperaturen reagiert!
4. Mit einer Maschine kann sehr schnell sehr viel Zahn entfernt werden. Da kann der Schaden schnell größer sein als der Nutzen. Man erkennt oft noch nach Jahren, wenn die Zähne eines Pferdes mit der Maschine bearbeitet wurden!

 

Frage: Warum korrigieren Sie so gut wie nie die Schneidezähne?

Antwort: "Finger weg von den Schneidezähnen, außer, es ist etwas Gravierendes!" So lautet eines meiner Mottos. Und zwar aus verschiedenen Gründen:
1. Fehlstellungen der Schneidezähne (wie z. B. ein "Smile" (Lächeln) oder ein Diagonalbiss) entstehen durch Fehlstellungen der Backenzähne. Korrigiere ich die Backenzähne, regulieren sich die Schneidezähne meist von selbst. (Ausnahmen gibt es natürlich, aber das sind dann schwerwiegende Fälle mit massiven Problemen.)

2. Kürzt man die Schneidezähne, ohne im gleichen Maß die Backenzähne auf ganzer Länge zu kürzen, verlieren die Scheidezähne vorläufig den Kontakt zueinander. Es existiert eine ganze Zeit lang immer ein Lücke zwischen den oberen und den unteren Schneidezähnen. (Bis diese so weit nachgeschoben haben, dass sie sich wieder berühren.)

3. Die Schneidezähne sind sehr wichtig für ein Pferd, um Nahrung aufzunehmen. Nicht nur beim Abrupfen von Gras, sondern auch beim Aufnehmen von Heu und Stroh setzt das Pferde neben Lippen und Zunge auch die Schneidezähne ein. Ohne Schneidezähne ist eine Nahrungsaufnahme für das Pferd kaum noch möglich.
Das Kürzen der Schneidezähne trägt somit dazu bei, das Leben des Pferdes zu verkürzen. Denn die Pferdezähne wachsen ja nicht nach, sondern sie schieben aus dem Kiefer heraus. Und je mehr man die Schneidezähne kürzt, desto schneller ist ihr "Ende" erreicht, und das Pferd kann nur noch unter erschwerten Bedingungen Nahrung aufnehmen.

4. Wie schon erwähnt, "wachsen" die Zähne nicht nach. Sobald das Pferd 6 Jahre alt ist, sind die Zähne in voller Länge im Kiefer angelegt und vorhanden, und zwar genauso hart und so geformt, wie sie durch das Zahnfleisch durch kommen werden. Durch den Bogen der Nase und des Nasenrückens liegen die Schneidezähne aber nicht gerade im Kiefer (so wie die Backenzähne), sondern dem Verlauf des Nasenrückens folgend leicht gebogen. Das heißt, sie KÖNNEN gar nicht senkrecht nach unten aus dem Zahnfleisch heraus kommen, sondern müssen sich "einen anderen Weg suchen". Für die unteren Schneidezähne gilt das Gleiche. Dadurch kommen die Schneidezähne mit den Jahren immer "schräger" aus dem Kiefer heraus.

5. Es ist völlig natürlich und gehört zur Altersbestimmung des Pferdes, wie weit die Schneidezähne nach vorne "rausragen".

 

Frage: Was ist das für eine duftende grüne Flüssigkeit, die Sie in den Eimer mit den Raspeln und dem Wasser tun?

Antwort: Das ist mein Geheimrezept! Wink Eine Mischung verschiedener Zutaten, heilend, desinfizierend und außerdem nach Minze schmeckend. Die meisten Pferde mögen Minzgeschmack. Manchmal trete ich aus Jux vor den Augen meiner Kunden den Beweis an, dass die Mischung lecker schmeckt und nicht ungesund ist...

 

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Letzte Aktualisierung ( Mittwoch, 04. November 2009 )